NeuroBlog

Auf diesem Blog erzählen Neurologen, Pflegefachkräfte und Therapeuten ihre ganz persönlichen Geschichten. Was fasziniert sie an der Neurologie? Warum haben sie dieses Fach gewählt und warum würden sie es immer wieder tun? Interessierte finden hier spannende Einblicke in das Fach, Tipps für Beruf und Karriere und ganz persönliche Eindrücke von einem der vielfältigsten Fächer der Medizin.
Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

Ein glücklicher Zufall führte mich zur Neurologie

Ich wollte ursprünglich Sozialpädagoge werden

Meinen Weg in die Neurologie fand ich durch einen glücklichen Zufall. Ich wollte ursprünglich Sozialpädagoge werden und in der Suchtberatung arbeiten. Zur Finanzierung meines Studiums arbeitete ich bei Pflegepersonalmangel in den 70er Jahren im Bereich Pflege im Nachtdienst der Mainzer Universitätskliniken. Hier entwickelte ich meine Begeisterung für die Medizin und begann nach Abschluss des Erststudiums Diplompädagogik das Humanmedizinstudium. In den Nachtdiensten auf der Inneren Notfallaufnahmestation lernte ich einen jungen Neurologen kennen, der mich ungeheuer für sein Fach begeisterte und mir zu einer Doktorarbeit in der Neurologie verhalf. Er wurde mein Mentor und Vorbild und ermunterte mich, mein PJ in der Neurologie der Mainzer Uni-Kliniken zu absolvieren. Der Weg zu einer neurologischen Weiterbildungsstelle war steinig, die frühen 80er Jahre waren geprägt von der damaligen „Ärzteschwemme“. Es brauchte 50 Bewerbungen und einen Umweg in die Innere Medizin, bis ich in einem Epilepsiezentrum mit großer Begeisterung neurologisch tätig werden konnte.

Zwei Jahrzehnte spannende und rasante Entwicklungen

In einem Krankenhaus der Maximalversorgung konnte ich das breite Spektrum neurologischer Erkrankungen kennenlernen und nach Facharztabschluss im Verlauf als leitender Oberarzt über zwei Jahrzehnte die rasanten Entwicklungen in Diagnostik und Therapie mitgestalten. Die Behandlungsoptionen beim Schlaganfall, der Multiplen Sklerose und bei Parkinsonerkrankungen sind in dieser Zeit einen riesigen Schritt weitergekommen.

Auch im Ruhestand lässt mich die Begeisterung für die Neurologie in Zeiten des Ärztemangels noch nicht los. Neurologische Vertretungen in einem Grundversorgungskrankenhaus mit Stroke Unit fordern mich nach wie vor heraus. Außerdem arbeite ich aktuell ärztlich auch in der Suchttherapie und bin damit näher an meinem ursprünglichen Berufsplan aus den 70er Jahren.

Tipps für angehende Neurologinnen und Neurologen

Als PJ-Beauftragter versuche ich seit 12 Jahren junge Kolleginnen und Kollegen für die Neurologie zu begeistern und freue mich immer wieder, wenn es gelingt, aus Studierenden Kollegen und Kolleginnen in meinem „Traumfach Neurologie“ zu machen. Mehr als ein Dutzend „Tage in der Neurologie“ habe ich organisiert und viele positive Rückmeldungen erhalten. Einem jungen Kollegen konnte ich zuletzt auf seinen Wunsch als Mentor zur Seite stehen.

Viel Spaß und eine Menge Arbeit hat die Durchführung von zwei Facharztrepetitorien in Zusammenarbeit mit der DGN gemacht. Ich wünsche mir von den Neurologinnen und Neurologen von Morgen, dass sie sich mit Begeisterung und mit Herzblut für dieses Fach entscheiden. Denn es bietet für die neue Generation junger Neurologen eine große Zukunft.